Regio-Airports hoffen auf AIS Airlines

Neuer Player gibt kleinen Flughäfen in Deutschland neue Hoffnung.

Die niederländische Regionalfluggesellschaft AIS Airlines mauserte sich klammheimlich zur Universalhoffnung von Regionalflughäfen. Wurde vor rund einem Jahr so ziemlich jede mögliche Regio-Strecke noch als “große Chance für InterSky” in einschlägigen Foren gehandelt, lief AIS zumindest im Bezug auf Gerüchte definitiv den Rang ab. Dabei ist das kleine Luftfahrtunternehmen äußerst schweigsam und überrascht mit kurzen Aussendungen, wenn sprichwörtlich Nägel mit Köpfen gemacht wurden.

Der Wunschzettel kleiner Flughäfen Deutschlands an AIS Airlines ist mittlerweile so lang, dass falls AIS Airlines das Christkind wäre, ein eigenes Postamt benötigt würde. Die niederländische Regionalfluggesellchaft setzt nicht auf Expansion “auf Teufel komm heraus” ala OLT Express, sondern auf vorsichtiges und langsames Wachstum, um das Unternehmen nicht zu gefährden. Dennoch steht fest, dass sich mit AIS Airlines eine neue Regionalfluggesellschaft formierte, die so ganz und gar nicht ins Schema der “letzten Regionalfluggesellschaften im deutschsprachigen Raum” passt. Im Gegensatz zu Darwin Airline, InterSky, Peoples Viennaline und SkyWork Airlines setzt man auf in der Anschaffung günstige 19-Sitzer des Typs BAe Jetstream 31/32. Ein Novum unter den Regional in der DACH-Region.

Geht es nach dem Wunschzettel von Flughafenmanagern soll AIS Airlines gleich alles fliegen, das Managern irgendwann mal unter der Dusche eingefallen ist. Regionale Medien, darunter auch teils renommierte Tagespresse, bauschen diese Einfälle gleich zu großen Hoffnungen für die Region auf. AIS-Manager Harry van Lieshout nimmt dies äußerst gelassen: “Es gibt unzählige Möglichkeiten für uns, doch wir müssen diese sorgfältig prüfen und vorsichtig auswählen. Wir sind auf der Suche nach High-Yield-Strecken und lassen uns von touristisch motivierten Anforderungen nicht verleiten.”

Regionalflugverkehr hat seinen Preis, denn Low-Fare-Konzepte sind mit kleinem Fluggerät in Märkten mit ohnehin beschränkter Nachfrage schlichtweg nicht realisierbar. In der Vergangenheit brachten sich Regionalfluggesellschaften durch teils verrückte Ideen mit 50-Sitzern oder gar 30-Sitzern Low-Coster zu spielen in ernsthafte finanzielle Probleme oder flogen schnurstracks in die Pleite. “Der Betrieb unserer Flugzeuge auf touristischen Strecken wäre viel zu teuer. Wir bieten zwar auch preiswerte Einstiegspreise an, jedoch sind diese bedingt durch die Größte unserer Maschinen streng limitiert”, so van Lieshout.

Wien nicht auf der Liste möglicher Destinationen
Geht es nach der Regionalpresse um Münster/Osnabrück soll AIS Airlines in Kürze nach Brüssel, Paris, Berlin-Tegel und Wien fliegen. Sogar Flughafensprecher Andrés Heinemann ist bestrebt diese Erwartungen zu dämpfen: “Ob davon etwas konkret wird, hängt von vielen Faktoren ab.” Für Tegel wurden zwar Slots beantragt, doch AIS Airlines befindet sich auf einer langen Warteliste des chronisch aus allen Nähten platzenden Hauptflughafen Berlins. “Wien ist im Moment definitiv nicht auf unserer Liste möglicher Strecken. Die Flugzeit wäre viel zu lange, um mit Jetstream 32 wirtschaftlich erfolgreich fliegen zu können. Wir starten am 22. April 2014 in Bremen mit Flügen im doppelten Tagesrand nach Zürich. Wir prüfen weitere High-Yield-Strecken, haben aber keinen Stress”, fügt Harry van Lieshout hinzu.

Bremen-Chefvermarkter Florian Kruse zeigte sich während der ITB äußerst glücklich mit AIS Airlines einen Nachfolger für das gefloppte Rostock-Airways/Air-Alps-Intermezzo gefunden zu haben: “Möglichkeiten für AIS Airlines gibt es bei uns in Bremen viele, doch zunächst sind wir mal froh darüber, dass wir rasch einen Carrier für Bremen-Zürich begeistern konnten.”  Bremens Gerüchteküche schiebt mittlerweile Sonderschichten, doch bestätigen oder dementieren wollte Kruse nichts: “Geredet wird viel, aber die Entscheidungen liegen immer bei den Fluggesellschaften.”

FKB-Chef zum dritten mal am Vorfeld
Karlsruhe/Baden-Baden-Chef Manfred Jung beschriebt die Lage von Regionalflughäfen einfach und verständlich: “Wir haben kein Flugzeug und sind auch kein Reisebüro. Wir brauchen Partner, die unsere Anlagen, die Start- und Landebahn, das Terminal und die Nachfragen der Region zu ihrem Vorteil nutzen wollen.” Gerade auf dem FKB sind fliegende Wechsel von Carriern auf der Strecke Hamburg-Karlsruhe/Baden-Baden mittlerweile ein Jour-Fixe geworden. OLT Express löste Air Berlin ab, um nach wenigen Wochen Flugbetrieb insolvenzbedingt durch InterSky abgelöst zu werden. Letztere kündigte die Einstellung der Strecke mit Ende des Winterflugplans aufgrund der Streckenaufnahme durch Germanwings an.

Manfred Jung darf nun zum dritten Mal binnen weniger als zwei Jahre an einer Erstflugzeremonie teilnehmen. Ein Szenario, das in Kassel-Calden, Schwerin-Parchim, Rostock-Laage, Zweibrücken und an diversen anderen Regionalflughäfen regelmäßig trainiert werden sollte, um im Ernstfall einsatzbereit zu sein. Wann das auch immer sein mag.

(Quelle: www.austrianaviation.net)

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